Publik

Museum

Demokratie Türkei / Deutschland

INHALT

EDITORIAL

Potentiale einer demokratischen Schule in der Türkei und in 
Deutschland.

Die Sammlung Ankara im Nippes Museum 7

FLUCHTPUNKT WOHLFAHRTSSTAAT

Bildungssteuerung in der Türkei und in Deutschland

Einführung zum internationalen Vergleich 9

1. Versachlichung durch internationalen Vergleich 11

2. Internationale Steuerung und soziale Mobilisierung 15

3. Konvergenz und Differenz im Ländervergleich 18

4. Perspektive Wohlfahrtsstaat? 24

5. Generative Themen von Schülern und Lehrkräften 28

6. Heuristik und Methoden 38

KATALOG

ANKARA

Berufsgymnasium 49

Imam Hatip Gymnasium 79

Anadolu-Gymnasium 95

Mittelschule 121

Vorschule 153

KÖLN

Berufsschule 167

Gesamtschule 181

Realschule 207

Gymnasium 227

LEHRKRÄFTE

Erzieherinnen Gazi - Universität Ankara 239

Deutschlehrerinnen Gazi - Universität 240

Deutschlehrer Anadolu Gymnasium 241

Vorsitzender Lehrerverein EĞİT-DER - Türkei 242

Erzieherinnen Nippes Museum 244

Lehramtsanwärter Fachseminar Türkisch Köln 246

 

Auszug: Einführung zum internationalen Vergleich

Fluchtpunkt Wohlfahrtsstaat
Bildungssteuerung in der Türkei und in Deutschland

Eine Einführung zum internationalen Vergleich

Die Schulentwicklung in der Türkei ist geprägt vom Ausbau der vorschulischen Erziehung und der Berufsgymnasien, Ausweitung der Schulpflicht von 5 auf 12 Jahre, Rückgang von Analphabetismus, verbesserten Laufbahnen der Mädchen und zunehmender Akademisierung. In Deutschland konzentriert sich die Entwicklung auf den Ausbau der Kleinkinderziehung, von Ganztagsschule und Inklusion. In beiden Ländern wachsen die Ansprüche auf soziale Öffnung der Schulen, Höherqualifizierung und Chancengleichheit in allen Schichten. Der Legitimationsbedarf der Bildungspolitik wird verstärkt durch internationale Rankings und Expertisen. Beide Länder stehen nebeneinander auf dem Prüfstand der mit unterschiedlicher Richtung von allen internationalen Organisationen beanspruchten globalen Steuerung.

Hier knüpft das Projekt einer gemeinsamen Sammlung von narrativen Texten und Bildern mit Schülern und Lehrkräften aus Köln und Ankara an. Wird die internationale Standardisierung von Bildungspolitik in der Praxis akzeptiert und woher bezieht sie ihre Berechtigung? Welche Zugänge bieten sich an, demokratische Ansprüche der Akteure zu entdecken und in den Politikfeldanalysen zu berücksichtigen?

Im Ländervergleich werden Bildungsreformen als öffentliche Aufgaben und in ihrer Funktion für die nationale Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Migrations- und Armutspolitik zum Thema. Dieser hat es mit Innenpolitik zu tun und erinnert daran, dass Bildungspolitik in ein sozialstaatliches Netzwerk eingebettet ist. Demokratische Legitimation der Fachpolitik verlangt Transparenz ihrer Verflechtung und Wirkung in diesem Kontext. Für den Vergleich bedeutet dies einen Perspektivenwechsel von der Pädagogik auf die Politikverflechtung, der hilft die Ansprüche und Strategien globaler Bildungssteuerung und ihre pädagogische Rechtfertigung zu hinterfragen: Sind die Potentiale demokratischer Bildung in der Türkei geringer als in Deutschland, wenn man sie an ihrer sozialstaatlichen Funktion statt an den internationalen Rankings oder den wechselnden Türkeibildern in der deutschen Öffentlichkeit misst? Einiges spricht dafür, dass sie nicht geringer sind. Führt die rasche Übernahme internationaler Standards und Reformmodelle in Deutschland zu besserer Bildungsbeteiligung und gerechter Verteilung der Chancen? Einiges spricht dafür, dass eine defensive Umsetzung und Abwehr von Privatisierung, wie sie in der Türkei zu beobachten ist, auch Vorteile verspricht.

Solche Fragen erscheinen sinnvoll, da realistische und demokratische Steuerungsmodelle langfristig nicht an den Akteuren und Subjekten vorbei umzusetzen sind. Die Umbrüche, Suchbewegungen und Kehrtwendungen der Bildungspolitik in Deutschland, das oft thematisierte Demokratiedefizit und teilweise Scheitern der EU im Bolognaprozess, die Vorbereitung eines Freihandelsabkommens zu Sozial- und Bildungsdiensten (TISA) stellen die Realisierung demokratischer Bildung nicht weniger in Frage als die Staatskrise mit massenhaften Entlassungen und möglichen Umbrüchen im Bildungswesen der Türkei.

Die Frage nach inneren, subjektiven, fachlichen Potentialen einer demokratischen Schule erscheint nachrangig gegenüber umfassenden Schulreformen und einer internationalen Steuerung, die an der Souveränität nationaler Sozial-, Wirtschafts- und Bildungspolitik rüttelt. Aber es ist auch damit zu rechnen, dass eben diese sozialen Potentiale langfristig wirken. Zu ihnen gehören die Orientierung an Wettbewerb und Individualisierung, aber auch soziale Ansprüche, Kontinuität von Familien und fachliches Interesse an Bildung und Arbeit. Internationale Vergleiche zu Außenpolitik und Menschenrechtspolitik besitzen ihre eigene Berechtigung und ihre eigenen Gesetze. Aber sie stoßen an gesellschaftspolitische Grenzen. Frieden, Kooperation und Demokratie hängen von sozialem Ausgleich und sachlich realisierbaren, lokalen und nationalen Lösungen ab, wie es sich etwa bei der so genannten Flüchtlingskrise 2015 / 16 zeigte. Die Notwendigkeit einer Deeskalation und Versachlichung der internationalen Beziehungen unterstreicht nicht zuletzt die rasche beiderseitige Rückkopplung zwischen nationalistischen Tendenzen im eigenen und jeweils anderen Land. Die Erweiterung des Ländervergleichs um die alltäglichen, fachlichen Perspektiven in der Praxis von Lehrkräften und Schülern verweist auf die Möglichkeit einer solchen Heuristik der Entspannung.

Das Projekt verbindet eine langfristige Intervention zur Begegnung und Diskussion in der sozialen Praxis mit der Exploration von Potentialen demokratischer Bildung auf Seiten der Schüler und in der Professionsauffassung von Lehrkräften in beiden Ländern. Die Exponate in Ausstellung und Katalog bieten Anschlüsse und Vergleichsmöglichkeiten für alltägliche, fachliche, professionelle und politische Diskurse.

Die Einführung skizziert den Kontext der internationalen Bildungssteuerung und plädiert für eine Versachlichung des Ländervergleichs Türkei – Deutschland durch eine sozialstaatliche Perspektive (1. Versachlichung durch internationalen Vergleich). Die Verbindung hybrider Reformen mit taktischen Formen sozialer Mobilisierung erzeugt in beiden Ländern neue Aufgaben demokratischer Legitimation (2. Internationale Steuerung und soziale Mobilisierung). Beim institutionellen Vergleich der nationalen Schulreformen zeigen sich neben historischen Unterschieden auch teilweise Angleichung, Konvergenz der sozialen Schichtung und verschiedene, dem Durchgriff der internationalen Steuerung entgegen wirkende Tendenzen (3. Konvergenz und Differenz im Ländervergleich). In beiden Ländern ist ein quantitativer Ausbau und nicht ein Niedergang des Wohlfahrtsstaates festzustellen, wohl aber ökonomische und politische Grenzen seiner Legitimation durch hybride Reformen, gemischtwirtschaftliche Finanzierung, korporative Willensbildung und die damit verbundenen Effekte für die Sozial- und Privilegienstruktur (4. Perspektive Wohlfahrtsstaat). Für Kontinuität und teilweise Konvergenz sprechen trotz aller bildungs-, innen- und außenpolitischen Turbulenzen die subjektiven Ressourcen der Akteure (5. Generative Themen von Schülern und Lehrkräften). Zu warnen bleibt vor direkten Ableitungen oder Kurzschlüssen der Akteursperspektive mit Tagespolitik und akademischer Diskussion (6. Heuristik und Methoden).

Verleih

IDA – MEDIATHEK
Bildungsmedien gegen Rechtsextremismus; Menschenfeindlichkeit und Gewalt
Suche: Nippes Museum

Download

Einführung zum internationalen Vergleich: Potentiale einer demokratischen Schule – Fluchtpunkt Wohlfahrtsstaat
Pressetext zur Ausstellung
——————————
Zitierweise:
Potentiale einer demokratischen Schule in der Türkei und in
Deutschland. Internationale Bildungssteuerung im Kontext
generativer Themen von Schülern und Lehrkräften/ [Fluchtpunkt Wohlfahrtsstaat: Einführung und Katalog]
Democratic Education in Turkey and Germany. Global Prospects of
Educational Government in the View of Students and Teachers/ [Common Perspectives on Education in the Welfare State: Essay and Catalogue]
/Wolfgang Zaschke

Köln: Nippes Museum 2017ISBN 978-3-9808826-4-4

© 2017 Jugendhilfe und Schule e.V.

Nippes Museum Köln – Träger: Jugendhilfe und Schule e.V. Kempener Str. 95 – 50733 Köln

Telefon / Fax: 0049 221 727275

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